Polizeiliche Kriminalstatistik 2021

Statistik

 

 Polizeipräsident Stefan Müller und Kriminaldirektorin Madlen Weyhrich

Polizeipräsident Stefan Müller und Kriminaldirektorin Madlen Weyhrich

 

Pressekonferenz zur Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2021

Wiesbaden, 23.02.2022, 10:00 Uhr, Polizeipräsidium Westhessen

 

-Zusammenfassung der behandelten Themengebiete-  

 

+++ Kriminalitätslagebild Landeshauptstadt Wiesbaden +++

 

  • Aufklärungsquote mit 63,8% weiterhin auf einem hohen Niveau; minus 1,8% zum Vorjahr
  • Gesamtzahl der Straftaten sinkt weiter um 4,4%; niedrigste Fallbelastung seit 1984
  • Anstieg von Gewalt gegen Polizeikräfte
  • Leichter Anstieg von Raubüberfällen im öffentlichen Bereich von 59 auf 66 Fälle
  • Nochmaliger deutlicher Rückgang der Wohnungseinbrüche um 35,8% auf 203 Fälle bei steigender Aufklärungsquote
  • Anstieg beim Subventionsbetrug (Soforthilfe i.V.m. der Corona-Pandemie) um plus 46 Fälle 

 

Hinter uns liegt das zweite Jahr, welches von der Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen für uns alle geprägt war. Der polizeiliche Alltag passte sich an die Veränderungen sowie die neuen Herausforderungen an. Die Struktur, die personelle Ausstattung und der vorhandene Infektionsschutz versetzten uns trotz aller schwierigen Einflüsse in die Lage, den Schutz der Bevölkerung und die öffentliche Sicherheit und Ordnung jederzeit sicherzustellen.

Ein erneuter Rückgang der Fallzahlen um 336 Fälle (-4,4%) auf 18.882 Straftaten, die niedrigste Fallbelastung seit 1984, und eine mit 63,8% (-1,8%) weiterhin auf einem hohen Niveau befindliche Aufklärungsquote sind die Eckdaten der PKS 2021. Die Häufigkeitszahl, also die Summe aller ermittelten Straftaten in Relation zu 100.000 Einwohnern, ist mit 6.777 Fällen (-124) erneut gesunken. Somit nahm die Wahrscheinlichkeit, in Wiesbaden Opfer einer Straftat zu werden, im sechsten Jahr in Folge ab.

 

Gewalt gegen Polizei

In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Straftaten gegen Polizistinnen und Polizisten an. Für 2021 muss hier leider ein Höchststand festgestellt werden. Im Polizeipräsidium Westhessen versehen viele Bedienstete ihren Dienst in den 20 Revieren und Stationen des Wach- und Wechseldienstes. Sie arbeiten rund um die Uhr für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger, sind durch ihre Uniform sofort als Polizei erkennbar und agieren in der Mitte unserer Gesellschaft. Gerade dieser enge Bürgerkontakt lässt die uniformierten Kolleginnen und Kollegen am häufigsten zum Ziel von Übergriffen werden.

  • Opferzahlen

Im Jahr 2021 wurden in Wiesbaden insgesamt 220 Einsatzkräfte, davon 215 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte sowie fünf Rettungskräfte, Opfer einer Straftat.

Auffällig ist insbesondere die Steigerung der von Angriffen betroffenen Einsatzkräfte um mehr als das Doppelte von 37 auf 83.

  • Fallzahlen

Die tätlichen Angriffe (67 Fälle) und Widerstandshandlungen (63 Fälle) gegenüber Polizeikräften nahmen um 33% von 98 Fällen auf insgesamt 130 Fälle drastisch zu.
Von diesen 130 Straftaten entfallen die größten Anteile mit 35% auf Festnahmesituationen zur Identitätsfeststellung, 20% auf direkte Angriffe gegen Einsatzkräfte und der damit verbundenen Festnahme, 13% auf nach dem Nichtbefolgen eines Platzverweises durchgeführte Festnahmen sowie 11% auf Festnahmen zur anschließenden Ingewahrsamnahme.
In fast der Hälfte aller Fälle fanden die Angriffe im öffentlichen Raum statt, bei 33% in sonstigen Gebäuden und Fahrzeugen und bei 18% in Dienstgebäuden sowie Einsatzfahrzeugen. 

 „Die Polizei wird immer häufiger zum „Blitzableiter“ für gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, bzw. verärgerte Bürgerinnen und Bürger. Unsere Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte üben einen Beruf aus, der nicht ungefährlich ist. Jeden Tag und jede Nacht treten sie für die Sicherheit aller ein. Wenn es nun immer häufiger zu Angriffen auf Einsatzkräfte kommt, halte ich diese Entwicklung für äußerst bedenklich. Wir sind es gewohnt, im Spannungsfeld widerstreitender Interessen zu agieren. Trotzdem benötigen wir unbedingt wieder mehr Wertschätzung und Respekt!“, so Polizeipräsident Stefan Müller.

Das Phänomen als solches ist grundsätzlich kein Neues, aber der Respekt und die Hemmschwelle im Auftreten des Bürgers gegenüber der Polizei sind noch einmal spürbar gesunken. Die Stimmung ist derzeit grundsätzlich aufgeheizter und aggressiver. Somit ist das Verhindern von Konflikten und der professionelle Umgang bei sich aufschaukelnden Prozessen gerade in dieser Zeit umso mehr eine große Herausforderung im alltäglichen Dienst der Beamtinnen und Beamten.

 

Straßenkriminalität

Unter dem Begriff der Straßenkriminalität werden zahlreiche Straftaten, insbesondere Sexual- und Raubdelikte, gefährliche und schwere Körperverletzung, Diebstahl im öffentlichen Raum sowie Sachbeschädigung in einem Summenschlüssel zusammengefasst. 2021 setzte sich der 2018 beginnende Abwärtstrend nicht fort. So stiegen die Fallzahlen um 12% auf 4.135 Fälle, befinden sich jedoch weiter deutlich unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Mit einer Aufklärungsquote von 24,2% (-1,7%) konnte etwa jede vierte Tat aufgeklärt werden.

Der Anstieg der Fallzahlen wird vor allem durch die Steigerung des Straßendiebstahls um 8 % auf 2.127 Fälle getragen. Die Anzahl der Körperverletzungsdelikte war mit 399 Fällen hingegen fallend. Beim Straßenraub ist eine leichte Zunahme auf 68 Fälle (+5 Fälle) zu verzeichnen, was jedoch der zweitniedrigste Stand seit 1999 ist.

„Eine Erklärung für den Anstieg der Straßenkriminalität könnte sein, dass nach der „Öffnung“ des öffentlichen Raumes wieder mehr Personen in der Stadt unterwegs waren und sich somit im Vergleich zum Vorjahr mehr Tatgelegenheiten boten. Die Maßnahmen des Konzepts „Gemeinsam Sicheres Wiesbaden“ zur Optimierung der Sicherheit der Wiesbadener Bevölkerung wurden auch im Jahr 2021 fortgeführt. Aufgrund des Pandemiegeschehens und anderer personalintensiver Einsatzlagen mussten die Maßnahmen leider temporär reduziert oder ausgesetzt werden.“, so Frau Polizeidirektorin Susanne Rohlfing im Rahmen der Pressekonferenz.  

 

Sexualstraftaten

Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist eine Zunahme der bekanntgewordenen Fälle um 39,5% (+102 Fälle) zu verzeichnen. Jedoch muss in diesem Deliktsfeld von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Die Aufklärungsquote sank auf 88,9%, befindet sich aber weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Bei den Vergewaltigungsdelikten und besonders schweren Fällen der sexuellen Nötigung ist ein Rückgang um zwei Fälle auf insgesamt 42 Fälle zu verzeichnen. Bei dem Missbrauch von Kindern (+7 auf 45 Fälle),

der sexuellen Belästigung (+11 auf 43 Fälle) sowie den exhibitionistischen Handlungen (+25 auf 45 Fälle) sind die Fallzahlen angestiegen.  Bei der Verbreitung pornografischer Schriften stiegen die Fallzahlen deutlich von 96 auf 157 Straftaten an. Dies stellt einen Anstieg von 63,5% dar.

Wie in den Jahren zuvor, sind für diese Steigerung insbesondere mitgeteilte Verdachtsfälle durch das National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC), einer US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation, ursächlich. Das NCMEC übermittelt Hinweise auf Kinderpornografie bzw. Missbrauchshandlungen im Internet, sofern ein Bezug nach Deutschland festgestellt wird, an das BKA. Diese Unterlagen werden an die örtlich zuständigen Dienststellen übersandt und nach Überprüfung in entsprechende Ermittlungsverfahren umgewandelt.

 

Kriminaldirektorin Madlen Weyhrich 

Kriminaldirektorin Madlen Weyhrich


BAO-Fokus

Die BAO-FOKUS (Fallübergreifende Organisationsstruktur gegen Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch von Kindern) des HLKA hat in sämtlichen Hessischen Polizeipräsidien Regionalabschnitte, so auch im Polizeipräsidium Westhessen. Im Jahr 2021 wurden für den Zuständigkeitsbereich des gesamten Polizeipräsidiums 641 Ermittlungsverfahren (Wiesbaden: 195 Ermittlungsverfahren) eingeleitet, wovon 622 Fälle (Wiesbaden: 188 Fälle) aufgeklärt werden konnten. Hierbei handelte es sich um 190 Fälle des sexuellen Missbrauchs und um 451 Ermittlungsverfahren wegen der Verbreitung pornografischer Schriften. Die Ermittlerinnen und Ermittler führten 220 Durchsuchungen durch und stellten mehr als 5.900 Beweismittel sicher. Es sind erheblich steigende Fallzahlen zu verzeichnen und der Kriminalpolizei gelingt es immer häufiger, auch herausragende Straftäter zu identifizieren. 

Für Schlagzeilen sorgten diesbezüglich zuletzt die Ermittlungen wegen des Verdachtes des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen gegen einen ehemaligen Fußballtrainer, welcher insbesondere im Main-Taunus-Kreis tätig war. Dem ehemaligen Trainer wird zur Last gelegt, sich bereits seit 2007 männlichen Jugendlichen sexuell genähert zu haben. Er befindet sich nun seit dem 09.12.2021 wegen des dringenden Tatverdachtes der sexuellen Nötigung unter Ausnutzung eingeschränkter Willens- und Äußerungsfähigkeit, der Vergewaltigung sowie der Herstellung jugendpornographischer Inhalte in Untersuchungshaft. In diesem Zusammenhang wurde seitens der Polizei für besorgte Eltern eine Telefonhotline geschaltet. Weiterhin wurde speziell für diesen äußerst umfangreichen Ermittlungskomplex eine Sonderkommission (SoKo) mit 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Polizeipräsidium Westhessen eingerichtet. Diese SoKo wertet unter anderem sehr große Datenmengen aus und ermittelt quasi „rückwärts“. Es wurden insgesamt 244 Datenträger mit einem Gesamtvolumen von über 100 Millionen GB sichergestellt. Im Rahmen der Ermittlungen konnten inzwischen zehn Opfer sicher identifiziert werden. Die Altersspanne der durchweg männlichen Opfer beläuft sich auf etwa 10-16 Jahre zum Tatzeitpunkt. Bis dato wurden rund 70 zu vernehmende oder zu befragende Personen ermittelt, von denen knapp die Hälfte bereits vernommen werden konnte.
Anhand von Spielerlisten der früheren Vereine des Trainers, ermittelte die Sonderkommission über 200 Personen, welche es noch polizeilich abzuklären gilt. Diese Zahlen verdeutlichen den großen Umfang des Ermittlungskomplexes. 

Die Mehrzahl der Fälle im Bereich des Polizeipräsidiums Westhessen macht mit insgesamt 352 Fällen (+106 Fälle) das Verbreiten/Herstellen von Kinderpornografie aus. Frau Kriminaldirektorin Madlen Weyhrich:“Bei den „Tätern“ handelt es sich oft um Schülerinnen und Schüler, welche die strafrechtlich relevanten Inhalte selbst als „harmlos“ ansehen und über Social Media auf mobilen Endgeräten durch Messenger Dienste verbreiten. Da sich die Kinder und Jugendlichen der Tragweite ihres Handelns oftmals gar nicht bewusst sind, ist es besonders wichtig, dass die Präventions- und Aufklärungsarbeit der Schulen und der Polizei durch die Erziehungsberechtigten begleitet und unterstützt wird.“

 

Häusliche Gewalt

Fälle der Häuslichen Gewalt sanken zwar um 11,7% auf 837 Taten (-111), die Fallzahlen befinden sich jedoch immer noch über dem Niveau von 2019. Die Aufklärungsquote ist in diesem Deliktsbereich mit 99,9% traditionell sehr hoch. Eine Reduzierung fand vor allem in den Bereichen der Körperverletzungsdelikte (-11,9 %) und Stalking/Nachstellung (-40 %) statt. Dagegen setzt sich der steigende Trend bei den Bedrohungsdelikten weiter fort. 

Fallbeispiele:

  • Bei einer Gewalttat in der Wiesbadener Wellritzstraße wurden am 01.02.2021, gegen 03:45 Uhr, ein Mann und eine Frau durch Schüsse tödlich sowie eine weitere Frau schwerverletzt. Die tödlich verletzten Personen waren Eheleute, die verletzte Frau die Schwester der Getöteten.

  • Am 17.03.2021, gegen 19:00 Uhr, wurde eine Frau im Flur eines Mehrfamilienhauses in der Uthmannstraße in Kostheim mit einer Stichwaffe angegriffen und schwer verletzt. Der Tatverdächtige wurde durch die Polizei rund eine Stunde später festgenommen. Die Polizei geht nach derzeitigem Ermittlungsstand von einer Beziehungstat aus. 

Die Zusammenarbeit mit den Frauenhäusern, welche mittlerweile wieder einen Anstieg von Unterbringungen zu verzeichnen haben, wird von allen Beteiligten als sehr gut bezeichnet. Zwischen den Hilfsorganisationen, bzw. Beratungsstellen und der Polizei findet durchweg ein enger Austausch statt. 

+++ Videoschutzanlage zwei Jahre in Betrieb +++ 135 Tatverdächtige überführt +++ 

Die Neuinstallation bzw. Modernisierung der Videoschutzanlage in der Landeshauptstadt Wiesbaden jährt sich im März 2022 zum zweiten Mal. Offiziell in Betrieb genommen wurde die Videoschutzanlage im August 2020. 

Präventive Nutzung

Präventiv wird die Videoschutzanlage regelmäßig bei Einsatzmaßnahmen der Wiesbadener Polizei genutzt. In der gemeinsamen Einsatzkonzeption von Stadt und Polizei, "Gemeinsam sicheres Wiesbaden", spielt sie eine wichtige Rolle. Die Aufnahmen können an insgesamt vier Standorten der Wiesbadener Sicherheitsbehörden eingesehen werden. Die Polizistin oder der Polizist am Auswerteplatz sichtet die Bilder der Überwachungskameras mit folgenden Fragestellungen: Wo bahnen sich Straftaten an? Wo werden Einsatzkräfte benötigt? Wo halten sich Personen auf, die sich verdächtig verhalten und im Weiteren einer Kontrolle unterzogen werden sollen? Bei entsprechenden Auffälligkeiten werden die zivilen und uniformierten Kräfte dann über Funk zum Kontrollort gelotst. 

Aufklärung von 135 Straftaten

Mit Hilfe der neuen Videoschutzanlage ermittelte das Polizeipräsidium Westhessen im Jahr 2021 insgesamt 135 Tatverdächtige. Sie wurden bei der Tatbegehung (96 Fälle) oder in der Vor- bzw. Nachtatphase (39 Fälle) videografiert. Mit Hilfe der generierten Aufnahmen konnten Tathandlungen beweissicher nachvollzogen, Ermittlungen zielgerichteter gesteuert und Lichtbilder von Tatverdächtigen abgerufen werden. Bei den 135 Delikten handelte es sich unter anderem um ein Kapitaldelikt, 53 Körperverletzungsdelikte, acht Raubstraftaten, fünf Widerstandshandlungen, elf Diebstähle, einen Verstoß gegen das Waffengesetz, vier Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, acht Bedrohungen, vier Sexualdelikte und acht Sachbeschädigungen. 

Fallbeispiele:

  • In der Murnaustraße kam es am 08. März 2021 zu einer gefährlichen Körperverletzung. Ein Mann wurde zunächst von einem Täter geschubst und dann noch von einem weiteren Täter getreten. Der Geschädigte flüchtete im Anschluss zur Wache der Bundespolizei. Aufgrund der unmittelbaren Nachschau auf der Videoschutzanlage konnte einer der Angreifer in Tatortnähe durch eine Streife kontrolliert werden.

  • Am 01. April 2021 eskalierte auf dem Schlachthofgelände der Streit zwischen zwei Personengruppen. Im weiteren Verlauf kam es dann zu körperlichen Auseinandersetzungen, wobei ein Mann mit einem Messer an der Hand verletzt wurde. Die Beteiligten entfernten sich anschließend vom Tatort in Richtung Hauptbahnhof, konnten jedoch noch in unmittelbarer Tatortnähe durch eine Streife kontrolliert werden, da der Vorfall auf der Videoschutzanlage beobachtet wurde.

  • Am 21. Mai 2021 verschafften sich mehrere Täter in der Klingholzstraße gewaltsam Zugang zu verschiedenen Fahrzeugen und entwendeten Wertsachen. Weiterhin wurde versucht, in einen Frachtcontainer einzubrechen sowie ein Anhänger mit einem Schriftzug beschmiert. Die in unmittelbarer Nähe befindliche Videoschutzanlage des Hauptbahnhofs leistete durch die Aufzeichnung der Vor- bzw. Nachtatphase einen wertvollen Beitrag zur Identifizierung der Tätergruppierung.

  • Auch als ein Mann am 06. November 2021 auf dem Platz der deutschen Einheit von zwei Tätern mit Schlägen und Tritten brutal attackiert wurde, führte die Auswertung der in diesem Bereich installierten Videoschutzanlage dazu, dass einer der beiden Aggressoren in der Nähe des Tatortes entdeckt und festgenommen werden konnte.

 

+++ Das Jahr 2021 im Blickpunkt der Pandemie +++ 

Pandemiebedingte Auffälligkeiten

Im Jahr 2021 hielten sich wieder mehr Personen in der Öffentlichkeit auf und öffentliche Veranstaltungen waren mit Hygienekonzepten möglich. Dadurch ergaben sich automatisch auch zusätzliche Tatgelegenheiten. Eine Korrelation mit dem Anstieg der Fallzahlen im Bereich der Straßenkriminalität scheint plausibel. Es herrschte eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone sowie im ÖPNV, was gleichzeitig ein höheres Maß an „Anonymität“ bedeutete. Dies erschwerte eine Aufklärung der in diesen Bereichen verübten Taten. Die Wohnungseinbruchdiebstähle reduzierten sich von 316 auf 203 Fälle, was der niedrigste Wert seit 1984 ist. Der hohe Rückgang der Fälle ist, wie im Vorjahr, auch durch die Corona-Pandemie und der damit einhergehenden erhöhten häuslichen Anwesenheit der Bewohner bedingt. Ebenso ist vom Fernbleiben professioneller reisender Täter, welche zumeist für eine hohe Anzahl vollendeter Taten verantwortlich waren, auszugehen. Tatserien und die damit verbundene Ermittlung von Tat- und Täterzusammenhängen lassen sich als Erklärung für die gestiegene Aufklärungsquote um 6,5 Prozentpunkte auf 19,2% heranziehen. Da im Jahr 2021 noch immer weniger Menschen mit dem ÖPNV unterwegs waren und auch weniger Kontrollen stattfanden, sanken die Beförderungserschleichungen um 90 Fälle auf 710 Delikte.
 

Aufgabenverschiebungen - Zunahme von Versammlungslagen und Unterstützung bei Kontrollmaßnahmen

Durch die Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie kam es in den vergangenen beiden Jahren zu Aufgabenverschiebungen für die Wiesbadener Polizei. So gab es deutlich weniger Großveranstaltungen wie beispielsweise Konzerte, Fußballspiele oder Volksfeste, die begleitet werden mussten. Allerdings unterstützten die Beamtinnen und Beamten das originär zuständige Gesundheits- und Ordnungsamt der Landeshauptstadt bei Maßnahmen zur Einhaltung der Corona-Verordnungen oder begleiteten verstärkt Demonstrationen, die im vergangenen Jahr stark zugenommen hatten. 

In Wiesbaden fanden im Jahr 2021 insgesamt 94 (+37) Versammlungen von Coronaregel- bzw. Impfkritikern statt. Dazu kamen neben 15 (+9) Gegenversammlungen sowie 216 (-5) sonstigen Versammlungen auch noch eine Vielzahl von unangemeldeten Versammlungen.
Im Zusammenhang mit den Versammlungslagen wurden rund 670 Anzeigen gefertigt, davon allein 622 bei der Veranstaltung am 17. April 2021. In allen angezeigten Fällen wurde ein Bußgeldverfahren eingeleitet. 

Bei festgestellten Verstößen gegen die Corona-Verordnungen stand für die Wiesbadener Polizei stets der persönliche Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern im Vordergrund, was in vielen Fällen zu Akzeptanz und Rücksichtnahme führte. Dennoch mussten im Jahr 2021 633 (-61) Ordnungswidrigkeiten im Zuge der Amtshilfe allein von der Polizei aufgenommen werden. Während bei Verstößen gegen die geltenden Kontaktbeschränkungen ein Rückgang um 13% auf insgesamt 407 Fälle zu verzeichnen ist, kam es wegen des Nicht-Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes zu einer Steigerung der Verstöße auf insgesamt 59 Fälle. Wegen der Missachtung der geltenden Ausgangsbeschränkungen wurden 103 Ordnungswidrigkeiten aufgenommen und im Zusammenhang mit der Nachweispflicht 17 Verstöße festgestellt.

 

Mehr Straftaten mit Corona-Bezug

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 169 Straftaten (+96) mit Corona-Bezug polizeilich erfasst. Da der der Subventionsbetrug im Zusammenhang mit den Corona-Soforthilfen einen sehr großen Anteil der Straftaten ausmacht (59 Fälle), wurde bei der Wiesbadener Kriminalpolizei eine Arbeitsgruppe, die AG CorSo (Corona-Soforthilfen), eingerichtet. Der überwiegende Teil der noch verbliebenen Straftaten bestand aus Gewaltdelikten (68), wie beispielsweise Körperverletzungen, Bedrohungen und Nötigungen. Darüber hinaus wurden fünf Widerstände mit Corona-Bezug erfasst.
Im zurückliegenden Jahr konnten in Wiesbaden 99 Ermittlungsverfahren wegen falscher oder gefälschter Impfpässe geführt werden.

 

Ansammlungen im öffentlichen Raum –  Warmer Damm

Während der Covid 19-Pandemie und den damit einhergehenden Schließungen sämtlicher Gaststätten, Bars oder anderer Freizeit- und Kultureinrichtungen fehlte es an Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen oder mit Freunden zu feiern. Nach dem Ende der Kontaktbeschränkungen im Sommer 2021 begannen sich daher schließlich immer größer werdende Gruppen unter freiem Himmel zu treffen. Unter Berücksichtigung der besonderen Situation während der Pandemie wurden die Treffen toleriert und mit Einsatzkräften von Ordnungsamt und Polizei, unter anderem gemäß dem Konzept "Gemeinsam sicheres Wiesbaden", eng begleitet. In der Spitze hielten sich „Am Warmen Damm“ zwischen Juli und Oktober bis zu 500 Menschen auf. Alkoholkonsum lies bei einigen Anwesenden die Aggressionsbereitschaft steigen, sodass es vermehrt zu Straftaten wie Körperverletzung und Sachbeschädigung kam. Darüber hinaus wurden aber auch Raub- und Eigentumsdelikte begangen. Zum Teil hielten sich Minderjährige bis in die Nachtstunden dort auf, konsumierten Alkohol und wurden leider auch Opfer von Straftaten.  Ein weiterer unangenehmer Nebeneffekt war zudem eine Vermüllung des Treffpunktes. 

Nachdem dann im Herbst der überwiegende Teil der Freizeit- und Kultureinrichtungen glücklicherweise wieder geöffnet hatte und es somit wieder Alternativen zu den "unkontrollierten" Treffen gab, wurden die entsprechenden Ansammlungen ab Ende Oktober intensiver überwacht und erforderlichenfalls unterbunden. Neben anlassbezogenen Personenkontrollen und ausgesprochenen Platzverweisen wurden temporär eine stationäre Videoüberwachung und Beleuchtungsmittel eingesetzt. Die Stadt- und die Landespolizei setzten dabei auf die Einsicht und Mitwirkung aller Beteiligten und appellierten, entsprechende Treffpunkte im Bereich "Warmer Damm" gar nicht erst aufzusuchen.


Die Kriminalstatistiken der weiteren Polizeidirektionen des Polizeipräsidiums Westhessen:

 Wiesbaden

 Rheingau-Taunus

 Hochtaunus

 Main-Taunus

 Limburg-Weilburg

Hinweis:

Die Polizeilichen Kriminalstatistiken der Landkreise Main-Taunus und Limburg-Weilburg folgen nach deren Veröffentlichung.

Weitere Dokumente: